[Zensus 2011] Teil 1 – Was ist der Zensus 2011?

Für die Jahre 2011 bis 2013 plant die Europäische Union einen EU-weiten Zensus – auch „Volkszählung“ genannt. Für Deutschland ist dies die erste Volkszählung seit der Wiedervereinigung, nachdem Deutschland bei der letzten Bevölkerungserfassung im Jahr 2001 nicht teilgenommen hatte.
Anders, als der Name „Volkszählung“ glauben macht, umfasst eine solche Erhebung weit mehr Daten, als die reine Anzahl der Bundesbürger. Der Zensus 2011 soll ermitteln, wie viele Menschen in einem Land und in einer Stadt leben, wie sie dort wohnen und arbeiten.
Weitere Details zu den erfassten Daten finden sich im Abschnitt „Welche Daten werden erhoben und wie werden sie geschützt?“ (in Vorbereitung).

Im Zuge der Durchsetzung einer EU-Richtlinie einigten sich die Regierungsparteien bereits bei den Koalitionsvereinbarungen für die 16. Wahlperiode auf die Teilnahme am Zensus 2011.
In der Folge beschloss das Bundeskabinett, bestehend aus CDU/CSU und SPD, am 29. August 2006 die Verfahrensweise des Zensus. Anders als 1987 sollen die Befragungszahlen innerhalb der Bevölkerung deutlich sinken und stattdessen ein registergestützes Verfahren angewendet werden. Zu diesem Zweck werden hauptsächlich Verwaltungsregister zu Rate gezogen, im speziellen die der Kommunen und der Bundesagentur für Arbeit.

Die Entscheidung für die Abfrage der Register wurde seitens der Regierung mit geringeren Kosten für die Steuerzahler und weniger Aufwand für die Befragten begründet. Dennoch belaufen sich die Kosten allein für die Vorbereitung des Zensus auf 176 Millionen Euro, von dem ein Großteil durch die Länder zu tragen ist.

Wissenschaftlich begleitet wird der Zensus von einer Zensuskommission unter dem Vorsitz von Gert G. Wagner, seines Zeichens Vorsitzender des Rates für Sozial- und Wirtschaftsdaten, Lehrstuhlinhaber für Volkswirtschaftslehre an der TU Berlin und Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin.
Diese eigens gegründete Kommission hat die Aufgabe, alle entwickelten Konzepte, Methoden und Verfahren zu prüfen, Empfehlung für das weitere Vorgehen auszusprechen und die praktische Umsetzung zu begleiten. Des weiteren umfassen seine Aufgaben die so genannte „ergänzende Stichprobe“. Zur Korrektur statistischer Ungenauigkeiten in den Melderegistern und Erweiterung der Datenbestände sollen diese ergänzenden Stichproben in Form von Interviews weiterführende Informationen wie z.B. Bildung und Ausbildung liefern.

Auffallend an den aktuellen Zensusplänen ist jedoch die ungewöhnlich verhaltene Diskussion in der Öffentlichkeit. Noch in den Achtziger Jahren wurde die damalige Volkszählung von lauten Protesten unter dem Motto „Meine Daten müsst Ihr raten“ begleitet. Das Bundesverfassungsgericht fällte schließlich am 15. Dezember 1983 ein grundsätzliches Urteil über die informationelle Selbstbestimmung und stärkte nachhaltig den Datenschutz.
Heute laufen die Verfahren zur Datenermittlung eher unauffällig im Hintergrund ab. Datenbanken werden abgeglichen und zusammengefasst, eine direkte Einbeziehung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger findet beiläufig in Form der bereits erwähnten schriftlichen und stichprobenartigen, persönlichen Befragungen statt.

Den Umfang der vollständigen Volkszählung, wie sie 1987 in der BRD und 1981 in der DDR stattfand, wird der Zensus 2011 voraussichtlich nicht erreichen. Zu groß sind mittlerweile die Bedenken gegenüber dem Datenschutz und den anfallenden Kosten.

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