Eiertanz
“[...]ein Spieler mit Migrationshintergrund[...]” (Johannes B. Kerner, ZDF sport)
Mein Vorschlag für das Unwort des Jahres 2008: Migrationshintergrund
Warum traut sich in diesem ach so politisch korrekten Lande eigentlich niemand, das Kind beim Namen zu nennen?
Mit Bitte um Meinungen.
Achmed? Yusuf? Sergej? Wie wärs wenn man es einfach mal beim eigenen Namen nennt ohne irgend einen pseudo rassistischen Zusatz?
Ja eben…durch diese “Migrationshintergrund” wird man ja ständig dran erinnert, dass eine Person oder Gruppe nicht “ur-deutsch” ist. Diskriminiert man diese Leute damit nicht mehr, als wenn man einen “normalen” Wortschatz pflegen würde?
Dem kann ich nur beipflichten. Woher kommt überhapt die ständige Erfordernis die nicht- urdeutsche Abstammung andauernd erwähnen zu müssen?
Ich glaube, das ist mittlerweile zur Volkskrankheit geworden. Jeder bekommt in der Schule x-fach eingebläut, wie böse damals alles war (was außer Frage steht). Was mich daran nervt ist die eingetrichterte Demut und das vermittelte Schuldgefühl für die Nachkriegsgenerationen.
Und daher ist jeder “unbescholtene Bürger” redlich bemüht, bloß nichts falsches zu sagen. Aber die Vergangenheit hat ja leider oft genug gezeigt, dass sich gewisse Bevölkerungsgruppen gerade in Deutschland sehr schnell auf den Schlips getreten fühlen und noch schön in der offen Wunde bohren (und sich dadurch aus meiner Sicht selbst disqualifizieren).
Nicht-vergessen-dürfen in allen Ehren, aber man kann es echt übertreiben.
Als nicht- Urdeutscher der sowohl den Deutschen wie auch ausländischen Geschichtsunterricht besucht hat (indem übrigens der zweite Weltkrieg tatsächlich ausführlicher behandelt wird und zwar ab der Grundschule!!!!) konnte ich wesentliche Unterschiede feststellen:
Deutscher Geschichtsunterricht: Es wird so unterrichtet, dass die Jugend sich der historischen Schuld bewusst wird die sie einfach nur tragen soll. Es wird jedoch zu wenig deutlich gemacht, dass es nicht um die Übertragung der Schuld geht, sondern um die Übertragung der Verantwortung aus der Geschichte gelernt zu haben sodass man Ähnliches in Zukunft verhindert. Von den Deutschen Helden wie Stauffenberg, weiße Rose- Gruppe, 20. Juli, der SPD die gegen das Ermächtigungsgesetz gekämpft hat und die meisten mit dem Leben bezahlt haben wird tatsächlich kaum ernsthaft erwähnt….
Ausländischer Geschichtsunterricht anderer europäischer Länder: Es wird über das Phänomen “wenns einem schlecht geht sind die anderen Schuld deswegen wählen wir Protest- Rechts” gesprochen (ähnliches Phänomen siehe Film: “die Welle”) wobei Deutschland als das Extrembeispiel gilt. So wird nicht von der kollektiven Schuld der Deutschen und erst recht nicht der heutigen Generationen gesprochen (das wäre echt unsinnig) sondern von der historischen Verantwortung aller europäischen Völker in ihren Ländern gegen solche Phänomene zu kämpfen weil sie für uns alle schlimme folgen haben. So betrachtet man auch andere Beispiele wie die Jugoslawienkriege in den 90ern die aus dem gleichen Phänomen entstanden sind (Wirtschaftskrise = Unzufriedenheit = rechte Gewalt) und die gleichen Folgen hatten jedoch in kleinen Ländern stattfanden sodass es relativ zum zweiten Weltkrieg weniger Opfer gab und damit keinen so hohen Erinnerungswert für uns haben (siehe Kriegsverbrecherprozesse in Den Haag bspw. gegen Milosevic etc. als Gegenstück zu den Nürnberger Prozessen damals).
Meine Meinung ist daher, dass der Geschichtsunterricht über den zweiten Weltkrieg im Ausland wesentlich qualitativer ist als in Deutschland. Hier ist er einfach nur langweilig während man im Ausland wirklic was für die Zukunft lernt.
Das sind ja mal echt interessante Einblicke ins europäische Ausland und deren Blickwinkel. Von dem erfahren wir hier leider viel zu wenig.
Es klingt wirklich so, als würde man dort wesentlich “emotionsloser” über das Thema reden können, ohne sich gleich auf Glatteis zu begeben – was sachliche Diskussionen eigentlich erst möglich macht. Ich sehe, wir Deutsche haben in dieser Hinsicht noch einen langen Weg vor uns. Aber ich sehe, zumindest in meiner Generation, ein wachsendes Aufbäumen gegen die in der Schule (in meinem Fall aber auch von zu Hause) vermittelte “Grundschuld”, was ich grundsätzlich sehr begrüße. Da kommt dann aber genau die von Dir angesprochene Verantwortung ins Spiel. Es ist nun an uns, aus dem Schlechten von damals zu lernen. Was aber ein signifikanter Unterschied zu einem lebenslangen, schuldbewussten Ducken gebenüber allen anderen Ländern ist.
Es wird sicher noch Generationen dauern, bis das deutsche Volk ein gesundes Verhältnis zu sich und der Historie aufgebaut hat. Aber ich erkenne positive Tendenzen und bin frohen Mutes.
Ja, es geht um Verantwortung und nicht Schuld, das muss man wirklich viel besser rüber bringen, dann macht der Geschichtsunterricht auch in Deutschland wieder Spaß. Das würde auch das Problem mit dem Nationalstolz korrigieren. Die BRD (also die letzten 60 Jahre) ist ein Land worauf man sogar sehr stolz sein kann (ohne die Verantwortung zu vergessen die Demokratie unter allen Umständen zu wahren und nicht wieder die Macht an einen wahnsinnigen Diktator abzugeben). Die BRD hat weltweit Maßstäbe gesetzt in Sachen Demokratie, Friedenswille, Humanität und soziale Gerechtigkeit. Es gibt kein Land in dem ich lieber leben wollen würde auch wenn wir in Sachen Integration noch defizite haben aber daran kann man arbeiten